Three Pairs Of Underwear

"Erster Geburtstag" meines nun besten Kumpels...

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Heute ist der erste Mai – „der Tag der Arbeit“ denken jetzt wohl die meisten… Doch nicht nur das! Viel wichtiger ist, es ist der erste Geburtstag meiner GS! OK, jetzt wollen wir ja nicht übertreiben… dennoch lag der heutige Tag ganz im Zeichen meines Kumpels.
Wie es sich gehört zum Geburtstag eines echten Motorrades kriegte es einen Ölwechsel, einen neuen Ölfilter, einen neuen Luftfilter, vier nagelneue Zündkerzen, neues Öl im Endantrieb, sowie tip top eingestellte Ventilspiele auf beiden Seiten. Man kann fast sagen ein echte Service-Inspektion, und das mitten in Kairo bei einem Honda und Yamaha Händler, ganz in der Nähe meiner Unterkunft.
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Zugegeben, diese Inspektion wird normalerweise alle 20’000km bei einem BMW-Händler gemacht. Mit nun bereits 40’777km auf dem Tacho war dies nun sowieso seit knapp tausend km überfällig. Und BMW-Motorräder gibt es ja in ganz Ägypten eh keine mehr, deshalb das ganze bei der sehr hilfsbereiten „Konkurrenz“.
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Doch ehrlich gesagt, bin ich froh konnte ich die nötigen Arbeiten selbst durchführen und war bis auf das frische Motorenöl und ein paar Spezialwerkzeuge komplett autonom. Die Jungs da kennen sich zwar mit Motorrädern und dergleichen bestens aus, doch fehlte das Zutrauen meinerseits, hätte ich sie alleine machen lassen. Es geht hier ja nicht um irgendein Motorrad… sondern um mein Haus, mein Taxi, mein Boot, mein Kamel, manchmal sogar meine Freundin- es ist mein bester Kumpel schlechthin für voraussichtlich die nächsten paar Monate, respektive Jahre! Ohne mein Gefährt ginge die Reise nicht weiter. Hier ein grosses Dankeschön an Dich - liebes Moped! Hast mich bisher noch nie im Stich gelassen! Hoffe dass ich dies auch am Ende der Reise sagen kann, schätzungsweise rund 100’000km oder sogar noch mehr später.
Wie man soeben lesen konnte, haben wir zwei im vergangenen Jahr eine echte Beziehung aufbauen können … Wir haben auch viel erlebt; Länder wie die Schweiz, Deutschland, Belgien, Frankreich, England, Wales, Italien, Österreich, Spanien, Portugal, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und Jordanien wurden in den letzten knapp 41’000km und 12 Monaten erkundet. Echte Pannen gab es bisher keine – bis auf ein paar wenige Kleinigkeiten hie und da (werde bestimmt später mal darüber berichten, wenn BMW informiert ist…). Als Reisender kann man da aber getrost drüber hinwegschauen – man kennt sich nun ja schon ein ganzes Jahr.

An dieser Stelle könnte ich ja mal ein paar Worte über die technische Statistik verlieren:
Stand 1. Mai 2007

  • Kilometerstand: 40’777km
  • Anzahl Hinterreifen: jetzt Nummer 4
  • Anzahl Vorderreifen: jetzt Nummer 2
  • Anzahl Set Bremsbeläge vorne: immer noch an der Nr. 2
  • Anzahl Set Bremsbeläge hinten: bereits 5 verbaut
  • Anzahl Endantriebe: es nagt am zweiten…
  • Anzahl Motoren-Ölwechsel: 3
  • Anzahl Endantrieb-Ölwechsel: 4
  • Geschätzte Liter Benzin: 2500lt Bleifrei (von Oktanzahl 80 – 98)
  • Geschätzte Anzahl Tankstopps: 110
  • Verschleiss Motorenöl: ca. 6dl
  • Anzahl Stürze: fast Null… bis auf zwei-drei Ableger im Stillstand
  • Kilometer seit Start von TomsRide am 24. Februar 2007: 18’522km in 9 Wochen, davon rund 1’000km nicht auf Asphalt

Es ist geplant ein Abschnitt Technische Statistik dieser Reise auf www.tomsride.net aufzuschalten, doch braucht es dazu noch ein paar Kilometer mehr, um eine interessante Statistik zu liefern… en shallah…

Was sonst noch so passiert ist in den letzten paar Tagen: Eigentlich nicht viel, hab wieder viel Zeit auf den Strassen von Kairo verbracht um diverse Fähragenturen (Hurgada –Duba) und Botschaften abzuklappern… Ist echt ein Problem als bekennender Spätaufsteher, denn die meisten Botschaften sind nur vormittags geöffnet. Ausserdem komme ich ohne Bericht aus Saudi nicht viel weiter. Für die nächsten Visas der Länder Iran, Pakistan und Indian muss ich jeweils mehr oder weniger genaue Ein- und Ausreise Orte und Daten angeben, wie auch eine Beschreibung der Route. Dies ist leider im Moment schwer möglich, wenn doch die Durchreise durch Saudi Arabien noch in der Luft hängt. Alternativen gäbe es soweit schon, doch keine konnte mich bisher so richtig begeistern. Man könnte die Nordroute durch Jordanien, Syrien, Türkei und Iran nehmen (was die meisten Reisenden wohl bisher gemacht haben), oder durch den Sudan, Äthiopien und Yemen (was wieder aus visatechnischer Sicht, sowie durch die aktuelle politische Situation in Ostäthiopien erschwerlich ist), oder jedoch das Bike verschiffen bis Dubai., Iran oder Pakistan. Werde in den nächsten Tagen vorsorglich die letzten beiden Möglichkeiten vertiefter abklären. Am idealsten wäre noch immer der direkte Weg nach Persien durch Saudi – also ersehne ich weiterhin baldigen und positiven Bericht aus Riath.

Ach ja, heute war noch dieser Unfall vor meinen Augen geschehen: Zirka 400m von meiner Unterkunft entfernt wurde eine Vespa von einem Auto erfasst. Der Fahrer und Beifahrer - beide ohne irgendwelche Schutzkleidung, wie üblich in Kairo - schlitterten knappe 10m neben meinem stehenden Bike auf der Strasse in Richtung eines parkenden Autos. Das fehlbare Auto, das die Vespa erwischt hat, gab mehr Gas anstatt zu bremsen, wobei es rund 3m neben den beiden am Boden in dasselbe Auto prallte. Das Ganze geschah in einer von rund 8 Polizisten überwachten Kreuzung, mitten auf der bekannten Lebanon Street.
Was geschah weiter: Die Polizisten kümmerten sich zuerst um die Vespa, die mit einem Totalschaden mitten auf der Kreuzung lag. Rund 10 Schaulustige waren sofort zur Stelle und standen um die beiden Mopedfahrer und redeten wild auf sie ein, alle jedoch mit einem Abstand von 2m zu den Verletzten. Irgendwas packte mich und brachte mich dazu das Bike mitten auf der anderen Strassenseite stehenzulassen, mein Erste Hilfe Set aus dem Gepäck zu nehmen und zu den beiden am Boden liegenden zu eilen.
Ich tat dann was, was mich noch jetzt erstaunt: Um überhaupt zu den beiden zu gelangen, sagte ich kurz in English „doctor“, was Unerwartetes geschehen liess. Ich denke mit meiner professionellen Motorradschutzkleidung und dem umfangreichen Erste Hilfe Set sah ich so professionell aus, dass die Schaulustigen alle zur Seite gingen und einige sogar versuchten für die Patienten zu übersetzen – „no Problem, he is a doctor…“. Also schlüpfte ich kurz in die Rolle und untersuchte die beiden erst mal auf lebensbedrohliche blutende Verletzungen, denn da hätte ich wohl wirklich helfen können – daneben versuchte ich der Polizei klar zu machen, dass sie dennoch eine Ambulanz oder Doktor rufen sollen. Die beiden schien es aber nicht so schlimm getroffen zu haben. Beide waren ansprechbar, jedoch unter Schock, bluteten leicht am Gesicht. Der eine stand schon bald darauf auf, hatte wohl nur sein Handgelenk verstaucht und ein paar kleinere Schürfungen, soweit ich dies beurteilen konnte. Der Andere schien zwar schlimmer getroffen, jedoch nichts wirklich lebensbedrohliches an sich zu haben – klagte jedoch über Schmerzen an der linken Hüfte und Oberschenkel. Konnte somit nicht mehr viel helfen und verwies sie nun an die wohl bald eintreffende Ambulanz… Die Fahrerin des Autos hatte ausser einem Schock nur einen erheblichen Blechschaden am Fahrzeug.
Erst als ich drei Minuten später bei der Unterkunft ankam wurde mir die Situation wirklich bewusst und fühlte das Adrenalin. Es war aber einerseits irgendwie ein gutes Gefühl zu wissen, dass wenn es wirklich schlimm gewesen wäre ich für Hilfe beriet war, andererseits auch ein negativ überrascht, wie schnell die Leute hier die Verantwortung in die Hände eines „doctors“ legen. Hätte unter Umständen auch schlecht enden können, wenn ich falsch reagiert hätte. Ich denke ich habe den Ort des Geschehens gerade rechtzeitig verlassen, denn ich fühlte, dass die beiden Verletzten versuchen nun das Beste für sich aus der Situation zu holen. Ohne Versicherung kann man sich einiges bezahlen lassen von der Unfallverursacherin – liess ich mir anschliessend von Einheimischen sagen. Dazu kann und will ich natürlich nicht involviert sein. Nun, betrachten wir es mal als „Geschehen“ und als „interessante Erfahrung“.

Hoffe ich bleibe von Unfällen weiterhin verschont. Muss aber zugeben, dass mich vor gut zwei Wochen ein Taxi abdrängte, was mich bei „fast Stillstand“ zum Stürzen brachte. Ausser einem schwarzen Kratzer am Motorschutzalu und an den Schutzbügeln ist nichts zu sehen. Am Taxi hat es aber echte Kratzer in der Passagiertür gegeben – recht so, hoffentlich hat der Fahrer was gelernt daraus. Erstaunlicherweise hat das Taxi anschliessend angehalten und nach meinem Befinden gefragt – hat sich sogar entschuldigt – denke aber die „westlich“ aussehende Passagierin hat ihn dazu bewogen… Zum Glück hatte ich die Einsicht, immer mit den praktischen und stabilen Alu Koffern herumzufahren, auch wenn sie nicht beladen sind. Dies bringt neben einer metallischen Knautschzone auch einen guten Seitenschutz im engen Verkehr von Kairo.

Bin gespannt was die nächsten Tage so bringen… Hoffentlich positive Antworten von den Botschaften… en shallah…

 

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