Three Pairs Of Underwear

Einreise nach Jemen... Al Hawf - Al Mukalla

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Unser Wecker klingelte am 23.07.2009, um 5:45 Uhr, als wir lansam erwachten konnte man draussen hoeren, wie die Kuehe und Kamele gefuettert wurden. Nachdem wir alles zusammengeraeumt hatten und anfingen das Motorrad zu beladen, kam unsere Gastgeberin schon mit omanischem Tee, sowie einem silbernen Tablett mit arabischem Brot und heisser Kamelmilch um die Ecke. Auch ihr Mann gesellte sich zum Fruehstueck dazu. Es war richtig...
...gemuetlich, die Nacht war teilweise recht kalt und die heissen Getraenke taten wirklich gut.
Da wir aber heute die Grenze passieren wollten, mussten wir langsam aufbrechen, gegen kurz vor 7 Uhr hiess es also aufsitzen. Die Flasche Kamelmilch die uns Mhosin geschenkt hatte, wollte noch verstaut werden, dann folgten wir dem aufgeweichten Weg zur Strasse Richtung Grenze.
Kamele oder Toeff? Wir nehmen dann doch den Toeff
Wir erreichten den omanischen Grenzposten nur wenige Minuten spaeter. Da sich der Nebel etwas gelichtet hatte, konnten wir das Gelaende diesmal gut einsehen. Ein grosser geteerter Platz, rechts das helle, grosse Hauptgebaeude und links eine ueberdachte Durchfahrt zur Zollabfertigung. Geradeaus ging es fuer uns weiter zum Grenzhaeuschen. Es schien uns fast, als erwarteten sie uns schon. In einheitlichen beigen Uniformen und schicken schwarzen Regenmaenteln begruessten sie uns freudig, es folgten noch ein paar Tipps - der letzte Franzose der hier ausgereist ist, waere wenige Minuten spaeter zurueckgekommen, da das Visa so teuer sei. Wie dem auch sei, der Papierkram fuer die Ausreise war schnell erledigt und wir verabschiedeten uns.
Bye, Bye Oman, Welt wir kommen...
Wir hatten kaum die Schranke passiert, da konnten wir auf der linken Seite einige Fahrzeuge auf aufgeweichtem Untergrund erkennen. Einige mit platten Reifen, bei anderen war sicher nur noch die verrostete Karosserie vorhanden. Dann erhob sich eine Mauer aus dem Nebel ein schmiedeeisernes schwarzes Tor, der eine Fluegel verbogen, der andere aus den Angeln gerissen stellte den Eingang zur Grenze dar. Dierekt dahinter rechts und links neben der Mauer je ein scheinbar verlassenes Gebaeude. Rechts stand - direkt hinter dem Dieselkompressor - ein warscheinlich weisses, viereckiges Gebaeude. Die Wand war ziemlich dreckig und voll mit halbtoten Nachtfaltern. Wir gingen zu diesem Gebaeude, hinter einem Fenster sah uns ein junger Mann (wir nennen Ihn mal Beamter Nr. 1) in mehr oder weniger weissem T-shirt und einem, uns aus Oman als Unterrock bekanntem Tuch gekleidet ziemlich verklaehrt an. Die Kommunikation war nicht ganz einfach, da er entweder betrunken oder noch ziemlich bekifft war und zudem nur lallend arabisch sprach. Wir bezahlten 80 Euro, nach dem er kurz in das rechte verlassene Gebaeude verschwunden war kam er wieder, unsere Paesse waren gestempelt und wir konnten scheinbar fahren. Wir folgten der Strasse vielleicht hundert Meter steil bergab und erreichten einen geteerten Platz ueberzogen von nasser, schlammiger Erde. Ueberall standen mehr oder weniger gut erhaltene Fahrzeuge herum - scheinbar alle beschlagnahmt. Vor uns erhob sich ein grosses Gebaeude und uns wurde gedeutet dort hinein zu gehen.
Ich wartete beim Motorrad waerend Tom im Gebaeude verschwand - inzwischen ware es auch schon um die 8. Nach einigen Minuten kam er kurz heraus und meinte "sie versuchen grad den zustaendigen Menschen zu wecken, klappt aber scheinbar nicht". Dann kam ein Herr (Beamter Nr. 2) ebenfalls in weissem T-Shirt und (Unter-)Rock heraus, stellte verwundert fest, dass wir schon Stempel im Pass haben. Er bedeutete uns zu warten, waerend er ueber eine Treppe in den ersten Stock verschwand. Als dieser nach laengerer Zeit nicht wieder auftauchte folgte Tom... folgende Szene bot sich ihm:
In einem Raum stand ein Sofa aus blauem Velours die Kissen lagen vor dem Sofa am Boden und ca. 6 Maenner um die 60 lagen nebeneinander auf den Kissen in bekannter Bekleidung - Es ist uns noch nicht ganz klar ob die Jeminiten die omanische Unterwaesche als ausgehtaugliche Kleidung tragen, jedefalls trugen hier alle dreckige weisse T-shirts mit (Unter-)Rock - Als sie Tom entdeckten kam einer der Herren mit hinunter. Als sie die Fahrzeugein- und ausreisepapiere, das Carnet de Passage - hier Triptik genannt, entdeckten sah man Freude in den Gesichtern aufkommen und Tom durfte Beamten Nr.2 wieder die steile Strasse hoch zu Beamten Nr. 1 folgen. Mir wurde ein Stuhl vor die Tuer gestellt. Wie eine Galleonsfigur durfte ich mich setzen, froh das Kopftuch zu tragen, denn auch so schien ich ziemlich auffaellig zu sein. 20 Minuten spaeter konnte ich Stimmen aus dem Nebel hoeren. Tom kehrte mit Beamten Nr.2 zurueck. Gemeinsam hatten sie in einem der vermeindlich leerstehenden Gebaeude 5 Minuten den Versicherungsbeamten (Beamter Nr. 3) wachgeruettelt, dieser hat dann weitere 10 Minuten auf das "Triptik" gestarrt - Resultat... No need!
Ob wir nun endlich fahren duerfen? Inzwischen ist es 8:40 Uhr uns wurde mitgeteilt: "Um 8:00 Uhr kommt jemand der was zu sagen hat?!"
Wir kommen uns ein bisschen vor wie bei Asterix und Obelix im Irrenhaus... zwischenteitlich erhielten wir das erste Kat-Angebot. (Kat: ist eine Pflanze die hier angebaut wird, sie stellt 20% des Bruttososialprodukts dar. Die obersten Blaetter und Zweigspitzen werden gekaut und in Form eines Baulles in der Backentasche gelagert. Wirkstoffe sind Katin und Katinon, ueber die Mundschleimhaeute wird der Wirkstoff augenommen. Er hat eine leicht aufputschende Wirkung -Amphetamin- haelt wach und ist ein Appetitzuegler). Wir haben dankend abgelehnt, wissen aber nun den Grund fuer den Zustand der Personen hier
Nachdem wir mit dem angekuendigten, scheinbar einzigen Menschen mit klarem Kopf gesprochen hatten, war dann bald alles geklaert und uns sollte zusaetzlich ein Fahrzeug begleiten. Wir sassen also auf und fuhren zur Schranke vor. Links hiervon stand ein Fahrzeug in einer Garage aus blauer Plane. Ein Uniformierter stieg ein und wollte starten... nach 3 bis 4 Versuchen gab er auf, die Schranke oeffnete sich und wir sollten schonmal langsam vor fahren - aber vorsichtig, die Strasse sei nass ;-) grins das kann ja heiter werden.
Aus den Ziegen wurden Esel aus Kamelen Jemenitis am Strassenrand - zumindest haben sie genauso geguckt. Ansonsten hat sich die Landschaft in den ersten paar Kilometern nicht viel geaendert. Wieso auch, die Grenze wurde erst 1960 definiert und die Bewohner dieser Seiter der Grenze zu Kat-kauenden, armen Jemenitis und auf der anderen Seite alle zu smarten Omanis.
Jemenitis duerfen derzeit die Grenze nicht passieren, oder nur unter ganz besonderen Bedingungen.
Die Meereshoehe erreicht zeigte sich Hawf mit eigentlich schoenen Natursteinhaeuser, ein atraktiver Baustil den wir so noch nicht gesehen haben. Kilometer um Kilometer liess der Nebel langsam nach und eine schoene vulkanische Gebirgslandschaft auf der Rechten und Kilometerlange Sandstraende auf der linken Seite gaben uns schon ein einladenderes Bild vom Jemen.
Verschiedene Polizeiwachen am Strassenrand haben uns warscheinlich nichtmal bemerkt, bis auf einer die dann kurzer Hand die Verfolgung aufnahm.
Polizeischutz bis zum naechsten Ort... wenn das Auto haelt?!

Doch es stellte sich herraus, dass sie uns nur Polizeischutz gewaehren wollten und uns somit fuer die naechsten 20km vorrausfuhren. Gefaehrlich erschien uns dieser Streckenabschnitt jedoch nicht. Natuerlich, die Leute hier leben in einer anderen Welt als die Omanis, vielleicht mit dem selben Familienstammbaum, jedoch mit einer komplett anderen Schulbildung - falls existend - einer anderen Lebensgrundlage und vermutlich auch mit anderer Zukunfsperspektive. Macht dies sie nun gefaehrlich? Wir hoffen nicht.
Wueste und Bergmassive wechselten sich ab zwischendurch ein paar kleine Sandstuerme oder Wind der sich nicht entscheiden konnte aus welcher Richtung er uns vom Toeff pusten wollte. Wir erreichten die ersten beiden Staedte Al Ghaydah und Sayhut. In Sayhut legten wir eine Mittagspause ein und staerkten uns an einer Imbissbude mit Currywurst und Pommes - hae hae reingefallen ;-) - natuerlich mit Reis, Fisch und Ciabatti, auch sehr lecker!
Beim Abstellen des Motorrades waren wir urploetzlich umgeben von einer Horde bettelnder Kinder. Sie fragen uns nach Essen und wir errinnerten uns an die Flasche Kamelmilch, die wir ihnen gerne gaben. Ganz gluecklich und dankend waren sie genauso schnell verschwunden wie sie gekommen waren.
Imad ein Fahrer eines Beauftragten der EU fuer Fischerei sprach ganz gut Englisch und fragte uns die normalen Dinge... Es stellte sich jedoch bald hinaus, dass wir das gleiche Tagesziel hatten und wir auch als Konvoi weiterfahren koennen. Gesagt getan, in rasender Geschwindigkeit ging es weiter Richtung Al Mukalla. Die kritischen Blicke und Fragen der Polizei- und Militaerkontrollen hat er mit seinem frechen Mundwerk in fliessendem Arabisch so abgewehrt, dass wir einfach durchfahren konnten. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit und erschoepft von 650km Fahrt goennten wir uns ein richtiges Hotel an der Touristencorniche, knapp 6km vom Stadtzentrum entfernt.
Morgen werden wir uns als faule Touristen ausruhen und die Stadt erkunden.
23.7.09: Al Hawf - Al Mukalla
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