Three Pairs Of Underwear

Tag 23 - Ab in die Green Mountains

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Die frühe Sonne und damit die ansteigende Temperatur im Zelt weckten mich am Morgen. Es war nun Zeit für Etwas, worauf ich mich seit Wochen freute: Ein echtes Schweizer Müesli, zubereitet mit frischem (Mager-)Milchpulver im Trinkbecher vom Schweizer Militär. Man, schmeckte das gut!
Eigentlich hatte ich vor, die direkte Strasse durch die Wüste in Richtung Tubruk zu nehmen. Bei der Abzweigung entschied ich mich aber kurzerhand die längere Route über die Green Mountains im Norden zu nehmen. Ein Entscheid, denn ich nicht bereute. Meine Karte liess mir hier nun wieder die Wahl von verschiedenen Strassen, die um Bengazhi in Richtung Norden führen. Der Besuch eines Mausoleum, dass auf meiner Karte mit einem Stern gekennzeichnet ist, war irgendwie enttäuschend. Zugegeben, was kann man von einem Mausoleum erwarten, aber ein kleiner Platz ausserhalb einer kleinen Stadt mit einem unscheinbaren Marmorklotz in der Mitte und einem Bild des islamischen Revolutionsführers im Hintergrund hat es mir nicht wirklich angetan.

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Ausserdem war es in dieser Stadt, wo ich zum ersten Mal von Kindern mit Steinen beworfen wurde. Getroffen hat keiner, bin aber dennoch sehr erschrocken. Was wohl in den Leuten vorgeht, wenn sie ein solches modernes Motorrad sehen? In dieser Gegend hat es kaum Touristen. Ich jedenfalls habe seit Leptus Magna keinen anderen Ausländer gesehen. Ich denke auch dass diese Gegend im Allgemeinen nicht oft von westlichen Touristen besucht wird. Ist dies ein Grund mich bei der Vorbeifahrt mit Steinen zu bewerfen? Ein wenig nördlicher ereignete sich auch was Interessantes: Beim Tanken an einer Tankstelle wurden Kinder auf das Motorradaufmerksam, sodass ich innerhalb von wenigen Minuten mit rund 15 Kindern umschwärmt war. Das älteste von ihnen sprach konnte 2 Sätze in Englisch: „Whats your name?“ und „How are you?“. Ich denke die Kinder erfreuten sich meinem Besuch da und meinen gut gemeinten Gesten zu ihnen. Meine Einstellung und mein Transportmittel lassen es nun mal nicht zu Geschenke für die Kinder mitzunehmen – weshalb freundliche Gesten alles sind was ich ihnen bieten kann. Es ist auch ausserordentlich schwierig abzuschätzen, wie viel Kontakt der Kinder mit meiner Ausrüstung ich zulassen soll. Alles was ich dabei habe, ist wichtig für mich und benötige ich für die Weiterreise, weswegen ich doch immer ein gutes Auge auf mein Motorrad werfe.
Während des Tankens beachtete eine zweite kleine Gruppe junger Kinder rund 20m entfernt. Bei der Abfahrt wussten diese nichts Besseres als mich wieder mit ihren Steingeschossen zu bewerfen. Natürlich hat auch hier keiner getroffen… Ätsch! Sorry für meine Ironie an dieser Stelle, weiss aber nicht was ich sonst mit diesem Verhalten anfangen soll. Was wohl die Hintergründe und die Beweggründe für diese Reaktion der Kinder ist? Von den Jugendlichen und Erwachsenen erfuhr ich noch nirgends Ablehnung oder eine negative Reaktion in diesem Land.
Nun, meinem Erlebnis-Drang entsprechend, wählte ich die kleinen Strässchen und Pisten in den Norden.

TomsRide791.jpg TomsRide798.jpgDa meine Karte nur die grossen Städte in Arabischen Zeichen und die grösseren Strassen zeigte, fuhr ich einfach nach Kompass und GPS. Hmmm, kann auch ein Fehler sein habe ich rausgekriegt. Eine Piste wurde plötzlich zu einem Feldweg und kurz darauf zu einer der schlechtesten Wege die ich je befahren habe. Mein Stolz liess es natürlich lange nicht zu umzudrehen und wider auf die sichere Strasse zu kehren. Nach der GPS Position und meiner Karte hätte ich rund 10km weiter östlich wieder auf eine Strasse treffen sollen… Nach rund 30 Minuten extremen Offroading in Richtung Nordosten gab ich auf – just in time um mich noch an den Rückweg zu erinnern. Mir wurde bewusst, dass diese Aktion hätte schief enden können. Ein Sturz mit dem Motorrad, eine technische Panne, oder bei sonst einem Ereignis wäre ich ohne Handyempfang in einem Land, in dem ich die Sprache nicht beherrsche und sie keine westliche Sprache sprechen…
Ein riesen Dankeschön an meinen Schutzengel, dass ich da wieder heil herauskam. Es war aber eine sehr lehrreiche Erfahrung – und gab ausserdem ein paar tolle Video Impressionen!
Wieder mit geteertem Boden unter den Rädern machte ich mich auf weiter in den Norden. Gerade als ich bei einem der Polizeicheckpoints den Motor starten wollte, gab es plötzlich einen lauten Knall vom Motorrad. Die Polizisten erschrocken natürlich auch, doch sie zeigten bei mir auf den Auspuff, was wohl auf eine Nachzündung hindeutete. Ein paar hundert Meter später hielt ich trotzdem und checkte das Motorrad. Zum Glück, denn der Knall wurde nicht im Auspuff generiert, sondern bei der Einspritzung des linken Zylinders. Die Frühzündung sprengte den Einlassschlauch ab der Halterung. Eigentlich kein Problem, wenn es für die Klemmbride nicht ein Spezialwerkzeug bräuchte…

TomsRide787.jpgNun, mit der Zange meines Schweizer Sackmessers, getuned mit einem kleinen Rollgabelschlüssel konnte die Bride wieder fachgerecht montiert werden.
Bereits nach Einbruch der Nacht erreichte ich eine grössere Stadt an der Nordküste. Sorry, dass mir die Namen der Orte nicht mehr geläufig sind, aber die Karten habe ich in der Zwischenzeit bereits wieder in die Schweiz zurückgeschickt, und mein Gedächtnis konnte sich bisher nur eine beschränkte Anzahl von arabischen Orten merken…
Nun, in dieser Stadt fand ich nach langem Suchen ein Hotel – sogar mit der Beschriftung „Tourist Hotel“. Leider war dieses anscheinend komplett ausgebucht, ausser der Suite, die leider mein Budget mit 90 Dinar überschritt. Der Mann an der Rezeption erklärte mir in knappem Englisch aber den Weg zum Palace Hotel der Stadt. Angekommen in der Rezeption dieses mehrbesseren Hotels offerierten sie mir ein Zimmer für 50Dinar. Mein Gegenangebot von 20Dinar wurde vom Hotel ohne Gegenfragen akzeptiert. Aha, so geht das hier!
Auch das sichere Parken des Motorrades war kein Problem. Drei Marmortreppenstufen herauf in die Rezeption, durch die Empfangshalle vor das Direktionsbüro. So edel hat diese GS wohl noch nie parkiert…

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Das Zimmer war eigentlich ein Doppelzimmer, eines mit zwei Doppelbetten, das andere mit Sofa und Fernseher. In der Mitte befand sich das Badezimmer. Welch ein Luxus schon wieder!

 

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Gast Samstag, 19 Oktober 2019
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