Three Pairs Of Underwear

Tag 18 - Es wird endlich wärmer in Tunesien

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Der Tag begrüsste mich auch heute mit leichtem Regenschauer. Vielleicht desshalb schaffte ich es wieder nicht vor 09.00 aus dem Haus, respektive aufs Moped zu kommen. Der Unterstand meiner GS wurde zu dieser Zeit bereits wieder zu einer LKW-Garage umfunktioniert. Knapp am Lenker vorbei, stand nun ein Transporter zur Reparatur. Kein böses Wort vom Besitzer der Garage - nur ein freudiges Bonjour bekam ich für meine Verspätung zu hören. Von dieser Freundlichkeit, Offenheit und Toleranz können wir uns in Europa durchaus ein Stück abschneiden.

Das Tanken ist jedes Mal wieder ein Erlebnis. Denn ein solches Motorrad bekommen die Leute nicht jeden Tag zu Gesicht. Hier in diesem Fall startete fast ein Kampf - welcher der beiden Tankwart’s das Moped nun betanken durfte... Mich kümmerte dies jedoch weniger - war eigentlich nur wieder erstaunt über den hohen Benzinpreis. So kostet ein Liter Bleifrei an einer offiziellen Tankstelle hier bereits wieder knapp einen Franken. Vor den Städten in dieser Region wird jedoch ein regelrechter Benzin-Schwarzmarkt betrieben. Ein Kanister mit 20lt Inhalt kann so für gut die Hälfte gekauft werden. Solange es aber echte offizielle Tankstellen hat, ziehe ich diese meiner GS zuliebe vor. Gemäss Erfahrungen anderer Reisenden sei die Qualität dieses Benzin durchaus nicht schlecht, denn es stamme direkt aus Lybien – wo es die besseren Raffinerien gäbe als in Europa… Ich weiss ja nicht…

Jedenfalls machte sich hier wieder mal die Hinterradbremse bemerkbar. Nach nun nur 3500km waren die Bremsbeläge hinten schon wider komplett abgeschliffen. Irgendwas muss hier faul sein – werde dies mal an die Spezialisten senden zur Überprüfung. Vor einer Poststelle wechsle ich unter den Augen unzähliger junger Schaulustiger die Bremsbeläge. Habe nun noch ein Set in Reserve.

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Die Fahrt führte weiter in Richtung Westen, genauer nach Tozeur - wo laut verschiedenen Informationen Szenen des Films Star Wars gedreht wurden. Hab davon jedenfalls hier nichts mitgekriegt - und von Jetirittern war auch keine Spur mehr zu sehen. Dafür öffnete sich ein grandioser Blick auf den Salzsee "Chott El-Jerid". Wieder knapp über Meereshöhe stiegen die Temperaturen gleich wieder auf angenehme 20° und die Wolken öffneten sich - es zeigte sich stellenweise sogar ein blauer Himmel.

Noch vor Ankunft an der Grenze zu Algerien bekam ich die erste Horde Dromedare zu Gesicht, es sollten aber definitiv nicht die letzten sein. Denn von nun an gab es hunderte dieser Viecher frei herumirrend in dieser Gegend. Oft standen sie seelenruhig auf der Strasse und warteten auf den Verkehr. Doch annähern kann man sich kaum. Stellt man das Motorrad ab und greift zum Fotoapparat, eilen sie blitzartig aus dem Blickfeld.

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Ah ja genau, da war doch noch was: Bei einem kurzen Abstecher in den Sand mit der voll beladenen GS klappte die Fahrt an den See ohne Probleme, sodass ich für die Rückfahrt gleich ein Wenig mehr Mut aufbrachte. Oha, wäre fast schief gegangen – konnte die Lage aber kurz vor einem Sturz noch gerade retten – Danke BMW-Hechlingen!!!

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Die Strasse führte direkt an der Grenze zu Algerien in Richtung Süden. Kaum ein anderes Fahrzeug war zu sehen. Sicher 50km spulte ich ab, ohne einen anderen Menschen oder Zivilisation zu sehen. Landschaftlich hat die Gegend dennoch nicht viel zu bieten, denn ausser Büschen und flacher Wüstengegend erkennt man kaum etwas. Schaut man aber genauer, so sind in dieser dürrer Gegend sogar hie und da kleine blaue Blumen zu sehen.

Südlich vom See führt die Strasse wieder östlich, der eigentlich angepeilten Richtung. Der Salzseesee selbst hat zu dieser Zeit einiges an Wasser, sodass eine Befahrung mit dem Fahrzeug kaum möglich ist. Hab aber gehört, dass dies im Sommer an gewissen Stellen durchaus attraktiv sei, wenn alles komplett ausgetrocknet ist.

Dank einem Schild mit der Beschriftung Camping, weiss ich jetzt auch woher die bei uns an jeder Touristenecke kaufbaren Salzsteine kommen. Direkt an der Strasse sitzen zwei Jungs und verpacken die frisch ausgegrabenen Steine in Zeitungspapier, bereit für den Export ins Ausland – sprich nach Europa.

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Ein bisschen weiter hinten graben drei weitere Jungs die Steine aus dem sandigen Boden. Enthusiastisch zeigen sie mir den letzten Fund, ein grosser Brocken in rund zwei Meter Tiefe.

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Sie übernachten gleich daneben, in einem für diese Region traditionellen Zelt. Man erzählt mir, im Sommer könne man die Zelte auch mieten – was für Touristengruppen aus dem Ausland oft gebucht werde.

In Douz kreuze ich eine Gruppe mit drei wilden KTM-Fahrer. Mit einem lauten Dröhnen und auf dem Hinterrad heizen sie durch die Stadt. Irgendwie fasziniert von dieser Klique wende ich und folge ihnen. Nebeneinader fahrend lädt mich einer der drei prompt zu einem echten italienischen Kaffe bei Ihnen ein, sie übernachten gleich um die Ecke. Es stellt sich heraus, dass die Gruppe aus zwei italienischen und einem Tessiner Fahrer, sowie einem italienischen Mechaniker besteht. Sie sind auf einer Trainingstour für knapp 10 Tage in Tunesien.

Auch mit einer Unterkunft für mich habe ich Glück, denn der Besitzer des Hauses – ein Freund des italienischen Driving Instructors – hat noch ein Studio frei. Der erste Preis von 60 Dinar scheint mir für eine Nacht jedoch gleich zuviel zu sein und handle diesen auf einen für mein Budget passenden Betrag runter. Mohamed, der Besitzer – sowie eine anderer Mohamed besitzen und führen dieses kleine „Maison el’haute A DOUZ“ mit Geschick. Sie geben alles, damit der Gast sich auch wirklich wohl fühlt. Ein echter Geheimtipp für Motorradfahrer in dieser Gegend! N33.44060 E9.03138, Handynummer von Mohamed für allfällige Reservationen: +216 98 661 438

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Die anscheinend obligatorische Registration bei der Polizei erledigen wir noch am Abend. Mit einem Mofa (ich auf dem Gepäckträger) fahren wir zur ca. 3km entfernten Polizeistation, bei welcher meine Passdaten in einem grossen Buch durch den Polizeichef persönlich eingetragen werden. Was das wohl für einen Nutzen hat frage ich mich. Die kurze Ausfahrt in der sternenklaren Nacht durch die Gegend lohnte sich aber auch ohne einen echten Nutzen…

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Beim Abendessen erzählen die beiden Mohammeds mir von Ihren Angeboten für Touristen im Sommer. Ausritte mit Kamelen in der Wüste mit Übernachtung im traditionellen Zelt. Tönt alles gut – man merkt richtig wie wichtig Ihnen das Wohl der Gäste am Herzen liegt. Doch irgendwie ist mir mein Moped doch noch sympathischer als die grossen buckeligen Fiecher…

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Gast Dienstag, 26 März 2019
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