Three Pairs Of Underwear

Der Abschied wir uns wirklich schwer gemacht... Salalah - Al Hawf

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 6583
  • 0 Kommentare
  • Drucken
Es ist der 22.07.2009 und wir sitzen nicht wie geplant in unserem Zelt, sondern im Wohnzimmer einer omanischen Familie in der Naehe der jemenitischen Grenze. "Wie kommt es denn dazu?" Werden sich nun Einige fragen.
Also ich fange mal heute morgen an: Wir erwachten im Haus unseres Gastgebers David, es regnete in Stroemen, aber nicht verzagen dachten wir, denn wir waren ja noch zum Fruehstueck bei den Nachbarn eingeladen. Es gab frische Annanas, Bananen, echten Kaffee und schweizer Muesli! Nachdem wir ausgiebig geplaudert und reichlich gegessen hatten, gab es noch eine Hausfuehrung - nach 4 Gaestezimmern haben wir aufgehoert zu zaehlen. Das Haus des Manetenance Managers des Hafens von Salalah und seiner Frau besitzt ausserdem einen ueppigen Garten mit einer Farbenpracht, wie in Oman bisher nicht gesehen.
Kurz vor 12 sassen wir dann aber doch auf dem Toeff, bereit fuer den "fruehen" Start in Richtung Jemen. Wir koennten uns auch langsam umbenennen auf lazy travellers, denn so richtig frueh haben wir es bisher noch nicht auf die Strasse geschafft ;) Zuendschluessel rein und - ABS kaputt! Durch die paar Regentage und die salzhaltige Luft scheint der Microswitch der Vorderbremse einen Knax bekommen zu haben. Das ersaeufen des Schalters in einer halben Spruehflasche WD40 bewirkte wieder einmal Wunder. Es scheint groesstenteils wieder zu funktionieren.
Pflichtgemaess machten wir in Mukhsayl Halt, um mit Hunderten von Anderen die Gaisire waehrend des Khareefs (Regenzeit in Oman) zu fotografieren. Defifintiv zu viele Touristen - gesehen, nass geworden, fotografiert und abgehakt.
An der naechsten Tankstelle wurde nochmal fuer 600 Baisa vollgetankt, dann fuehrte uns der Weg ueber eindrueckliche, atemberaubende Zickzack Stassen den Berg hinauf von 0m auf 800m zurueck auf 0m - ueberhalb von 400m durch dichtesten Nebel, ab 750m durch Sonnenschein ueber den Wolken, nur fliegen ist schoener. Zwei Militaer Checkpoints prueften unsere Paesse auf Gueltigkeit, selbstverstaendlich mit Maschinengewehr im Anschlag. Wir sind ueberzeugt, durch wunderschoenes, gruenes, bescheibenswertes Gebiet gefahren zu sein. Leider haben wir davon allerdings nichts gesehen, die Sichtweite betrug gerademal 20 Meter. Im Schneckentempo ging es also weiter ueber kleine Strassen mal rauf mal runter, zeitweise ausgebremst durch Kamelherden, die gemuetlich auf der Strasse umherspazierten.
Auch mit GPS komplett unerwartet tauchte vor uns aus dem Nebel der omanische Grenzposten auf. Es war kurz nach 15 Uhr und die naechste Stadt mit Hotel im Jemen knapp 150km entfernt. Bei diesen Wetterverhaeltnissen schaffen wir es wohl nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit dort anzukommen, ging uns durch den Kopf. Geplantes einschleimen fuer eine Uebernachtungsmoeglichkeit nahe des Grenzpostens fruchtete nicht... Die Empfehlung der Polizisten war ein kleiner Fischerort knapp 30km zurueck. Angetan waren wir nicht, doch was blieb uns anderes uebrig. In einem kleinen Shop - wir haetten ihn durch den Nebel fast verfehlt - wollten wir uns noch mit Tuna, Tomatensosse und... richtig, Pasta eindecken. Tom kam fast rueckwaerts wieder hinaus - etwas schuechtern, denn der Laden war voller bunt gekleideter omanischer Frauen. Mit mir als Begleitung wurde er jedoch wieder etwas mutiger. Wir machten wohl einen etwas verlorenen Eindruck, so dass uns eine der Frauen, selbst schuechtern, je eine Dose Pepsi ueberreichte. In einem unerwartet guten Englisch lud sie uns zu einer Tasse Tee ein. Eine ihrer Shoppingkolleginnen rief bereits den Ehemann an, der uns mit dem Auto den Weg zu ihrem Haus weisen sollte.
Sie erwaehnte auch gleich, dass wir bestimmt bei ihnen oder bei Freunden uebernachten koennten. Gutglaeubig liessen wir uns darauf ein und folgtem dem Auto ueber Stock und Stein bis zu einem Haus. Vor dem Gartentor machte uns eine Herde Kuehe nur wiederwillig Platz hinter der Mauer schauten uns drei Kamele unglaeubig an.
Der Hausherr bat uns ins Empfangszimmer und liess omanischen Tee bringen. In ebenfalls erstaunlich gutem Englisch erfuhren wir im Gespraech, dass er bei der special unit Armee war, nun im Hafen von Salalah arbeitet und scheinbar die einzige Anlaufstelle fuer unschluessige Reisende ist. Vor 2 Jahren beherbergte er schonmal 2 deutsch Motorradfahrer und vor 4 Jahren eine englische Journalistin. Waehrend einer kurzen Fuehrung ueber das Grundstueck wurde ich erstmal eingekleidet in eine leuchtend orangene Burka mit passendem Kopftuch - dies ist die wohl uebliche Bekleidung hier in der Gegend - ein bisschen wie ein Bettbezug mit Loechern fuer die Arme und einem viereckigen Ausschnitt fuer den Kopf. Erstaunlicherweise sogar fuer mich lang genug, so dass ich das Gewand beim Laufen anheben musste. Es ist uebrigens sehr bequem, ich kann jeder Frau in Europa nur empfehlen auch so etwas zu tragen. ;)
Als wir nach einer Gelaendewagenrundfahrt mit unserem Gastgeber in die Berge - hier schien auch wieder die Sonne -
Ueber den Wolken...

wieder am Haus eintrafen war bereits das Essen fertig - viel zu viel - es gab Reis, Fisch und Huehnchen sowie Rind mit Kartoffeln in Sosse. Nach dem Essen durften wir heisse Kamelmilch probieren - mmh lecker!
Wir tauschten Telefonnummern aus und der Sohn Sheik Achmed brachte Decken fuer unser Nachtlager.
Fuer mich kaum vorstellbar wie gastfreundlich die Menschen sind. Und beschaemend wie misstrauisch ich immer noch bin, gut dass Tom hier aufgrund der bisherigen Reiseerfahrung offener ist.
Stellt euch nur mal vor, euch wuerden zu Hause Reisende ueber den Weg laufen, wuerdet ihr sie bekochen, ihnen Geschenke machen, um sie zu guter Letzt auch noch bei euch zu uebernachten lassen. Nicht? Schade eigentlich, oder?
Wenn wir an heute morgen zurueckdenken erscheint es als waere es nicht der selbe Tag so unterschiedlich sind die Welten in die wir eintauchen durften. Aber beide auf ihre Art so herzlich und voller Vertrauen, wie man sich kaum vorstellen kann. Ich hoffe dieses Glueck zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtigen Menschen zu treffen wird uns auch weiterhin auf unserer Reise begleiten.
19.7.09: Salalah und die Dhofar Berge
21.7.09: Salalah
22.7.09: Salalah - Al Hawf
Bewerte diesen Beitrag:
0
Markiert in: Oman

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast Mittwoch, 19 Juni 2019
Aktuelle Seite: Home Nina Der Abschied wir uns wirklich schwer gemacht... Salalah - Al Hawf